• Platte der Woche #295

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    19/06/2016 · honki · Kategorie: Platte der Woche ·

    Mehr als acht Jahre ist es nun schon her, dass ich meine ersten Platten für unser Klangkombinat auf die Technics brachte. Damals noch in der D-Bar im Trusetal, im grünen Süden Thüringens. Ein ehemaliger Truckerstop, der als Zentrum für die umliegende Jugend umgebaut wurde und für einige unvergessliche Abende des Kombinats diente. Der Dancefloor gefliest und die Anlage alles andere als gut, aber man spürte die große gemeinsame Liebe aller Beteiligten für die elektronische Musik.

    Ich kann mich noch sehr gut an diesen Abend erinnern, ich hatte im Vorfeld einige Platten zusammengesucht und Übergänge für die erste halbe Stunde zuhause eingeübt um Sicherheit zu bekommen. Es war mein erster Auftritt für das Kombinat nachdem mich Sascha vom Tonsystem empfohlen hatte. Martin und Clemens waren zu Beginn noch mit der Deko beschäftigt und mein Kumpel Ungi, der mich immer treu zu meinen Auftritten begleitete, stand ebenso aufgeregt an meiner Seite. Ich kannte Clemens noch aus Schulzeiten und hatte bis zu diesem Zeitpunkt lange nichts mehr von ihm gehört, dass sich nun unsere Wege wieder kreuzten fand ich bemerkenswert.

    Ich erinnere mich noch grob an einige der ersten Tracks die ich spielte. Ich mochte damals den Cadenza Sound rings um Luciano und den damals sehr präsenten House aus Rumänien von Rhadoo und Petre Inspirescu. Ich spielte meine ersten Platten und Clemens tanzte. Er tanzte in seinen Posen, wie sie bis heute unser Logo zieren. Er gab mir Sicherheit und ich begann die von mir geplante Reihenfolge über den Haufen zu werfen und ließ mich von der Musik leiten. Nach knapp einer halben Stunde spielte ich dann diese Platte und mit einsetzen des Vocals begann Clemens zu strahlen, er riss die Arme nach oben, kam zu mir ans Pult gerannt und drehte die Anlage auf, so laut es ging. Er wollte jede Facette dieses Tracks genießen und drehte jubelnd Runde um Runde und animierte die frühen Gäste des Abends ebenso aufzudrehen.

    Mehr als acht Jahre ist es nun her, dass ich diese Platte zuletzt gespielt habe, die ich für Clemens noch auf einigen weiteren Parties spielte. Als mich die traurige Nachricht erreichte, erinnerte ich mich umgehend wieder an diesen Abend und begann nach dieser Platte zu suchen. Ich legte sie zuhause auf und begann eine Reise zurück an die Anfänge des Kombinats, den Beginn einer tollen Freundschaft und unvergesslicher Abende. Auch wenn sich der Verlust von einem so guten Freund nur schwer verschmerzen lässt, bin ich glücklich über die Musik und darüber hinaus so viele und vor allem schöne Erinnerungen an ihn zu haben.

    Du wirst mir sehr fehlen mein Freund. Danke, dass du die Musik so sehr geliebt hast und uns auf so viele aufregende Reisen mitgenommen hast.

    In Gedenken,
    Martin

    Unknown Artist ‎– Flöte + Clarinette
    Label: Not On Label (RAL Series) ‎– RAL 1002
    Format: Vinyl, 12″, White Label, 33 ⅓ RPM
    Land: Germany
    Veröffentlicht: 23 Oct 2007
    Genre: Electronic


    Platte der Woche #294

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    12/06/2016 · Marian · Kategorie: Allgemein,Musik,Platte der Woche,Releases ·

    Interstellar Funk

    Rush Hour ist bekannt für hochwertige Musik. Mit der Katalognummer RH014 reiht sich eine wunderschönes und gefühlvolles Debüt von Olf van Elden alias Interstellar Funk mit ein. Die Platte enthält sechs Tracks, die alle samt eine Symbiose auf 12″ darstellen. Niederländische Produzenten haben schon immer ein hohes Maß an Musikverständnis, wie ich finde. Interstellar Funk gilt als Nachwuchs dieser. Magische Melodien und strukturiere Tracks, die in die Zukunft blicken. Acid gepaart mit House-Grooves sorgt für ein abwechslungsreiches, bescheidenes und beeindruckendes Hörerlebnis.

    Eine abenteuerliche und mehrdimensionale Reise ist garantiert.

    Viel Spaß beim hören.
    Marian

    Interstellar Funk – Electric Park Square

    Label: Rush Hour
    Format: 12inch
    Country: Netherlands
    Released: April 2016
    Genre: Electronic
    Style: House

     


    Platte der Woche #293

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    05/06/2016 · Thomas · Kategorie: Platte der Woche ·

    Lost Memory -Boris Brejcha

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Aus der Rubrik “all time favorits” kommt heute ein Track der uns, “Niemand&Keiner“, schon so einige Jahre bekleidet hat – Lost Memory von Boris Brejcha – aus dem Jahre 2008. Ich möchte heute nicht viele Worte darüber verlieren wie schön dieser Track ist. Wie er sich mit seinem klaren Rhythmus und den markanten Claps nach vorne arbeitet und dass die Melodie in diesem Track zum verzaubern schön ist.

    Nein, ich möchte diese “Platte der Woche” nutzen um danke zu sagen, für die Momente und Verbindungen die ich mit diesem Track und meinem Weggefährten teilen durfte. Es ist unglaublich schön, in den alten Platten zu stöbern und die Zeit auf diese Art wieder zurückdrehen zu können, zu spüren, zu hören und zu fühlen. Um diese Emotionen zu fassen ist ein Teil von Ihm immer noch an meiner Seite und ich weiß, dass er es immer noch genauso genießen würde.

    Ich gedenke ihm und freue mich ein Teil in seinem Leben eingenommen zu haben. Eine tiefe Freundschaft und Zusammenarbeit hat mich für mein weiteres Leben geprägt und wird mir nie in Vergessenheit geraten. Der Abschied fällt mir nicht leicht und die Erinnerungen bleiben bestehen.

    Hörempfehlung für den Track – 110 Bpm.

    Ahoi
    Thomas von Niemand&Keiner

    Boris Brejcha ‎– Lost Memory
    Label: Harthouse Digital ‎– HH D 021-8
    Format: 3 × File, MP3, 320 kbps
    Land: Germany
    Veröffentlicht: 06 May 2008
    Genre: Electronic
    Stil: Techno, Minimal


    Platte der Woche #292

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    29/05/2016 · Julius Herfurth · Kategorie: Platte der Woche ·

    valence004

     

    Lange bevor ich meine erste selbst gekaufte Schallplatte in den Händen hielt und begann, mich mit den Feinheiten des Vinylsammelns zu beschäftigen, hatte ich schon einmal das Vergnügen mit solch hübschen Bezeichnungen wie mint, near mint, excellent+ ,etc. Nicht, weil ich mich der großen weiten Welt der Münzen hingab, deren akribische Sammler einst diese Begriffe schufen, um den Zustand ihres kostbaren Sammlerguts zu kategorisieren. Nein, die Begriffe erlernte ich durch meine exzessive Beschäftigung mit einem der größten Nerd-Produkte der letzten 30 Jahre: Magic: The Gathering. Es ist passiert, ich habe mich geoutet. Ein Spiel, dass Zeit frisst, und vor allem Geld. Meine Mutter würde sicherlich einen Herzinfarkt erleiden, rechnete ich hoch, was mich dieses Spiel in den ersten Jahren gekostet hat…Also psst! Aber es hat mir auch sehr viel gebracht und auch heute befasse ich mich noch häufig damit und investiere auch immer mal ein paar Öre in die bunte kleine Welt der Pappkärtchen.

    Die Parallelen zwischen Schallplatten und diesem Kartenspiel enden übrigens nicht bei der Bezeichnung des Zustands gebrauchter Produkte. Genau deswegen muss es auch als Analogie für unsere heutigen Platte der Woche herhalten. Der Kartenspieler hat das Problem, aus einer Vielzahl gegebener Möglichkeiten das auszuwählen, was er selbst für spielbar und geeignet erachtet, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Ich glaube, dass alle DJs dieses Problem sehr gut nachvollziehen können, denn die Reduktion unserer meist mehrere 100 oder gar 1000 Platten umfassenden Sammlungen auf eine handlich Tasche pro Auftritt, ist ein wesentlicher Bestandteil der zu leistenden Arbeit; und da hat der Partygänger noch gar nix gehört. Versatility ist hier das Stichwort – Vielseitigkeit. Die stärksten Karten sind gemeinhin diejenigen, welche in zahlreichen Situationen unterschiedlich angewendet werden können. Klar gibt es auch sehr starke spezielle Karten. Den Kern einer guten Zusammenstellung liefern aber immer diejenigen, welche mir als Spieler Optionen geben, in verschiedene Richtungen zu spielen. Auch hier klingelt es bestimmt beim ein oder anderen Plattendreher. Eine EP, die mir viele Möglichkeiten bietet, mein Set zu entwickeln, ist meist stärker als das musikalische Brett, das zwar auch im Koffer ist, aber sich eben auch “nur” darauf beschränkt, ein Brett zu sein.

    Vor gut zwei Monaten hielt ich dann eben einen solchen Glücksgriff der Vielseitigkeit in den Händen. Das New Yorker Label Valence bringt mit der vierten Auskopplung “Modification EP” die labelintern bereits zweite Veröffentlichung des belgischen Produzenten Goldffinch. Das über allem prangende Thema dieser Platte ist zweifellos Techno, keine Frage, aber bei insgesamt 4 Tracks auf den beiden Seiten dieser schwarzen Medaille hat der Schöpfer eben auch 4 verschiedene Nuancen des Genres perfekt ausgearbeitet. Es beginnt mit dem Titelstück Modification, eine äußert trippige Reise in die Welt der modularen Tanzmusik, die sich entlang eines einzelnen arpeggiogeleiteten Synthesizers hangelt und dabei seine Kraft in der Dynamik der Wiederholung findet. Tacticalrundet die A-Seite ab und appelliert mit seinen simplen und groben Chordsamples an den Raver in uns, der am liebsten sein Leben mit Luft, Liebe und Tanzflächen verbringen würde.

    Die zweite Seite unseres heutigen Exposés wird durch Are we heremeinem persönlichen Favoriten der Single, eingeläutet. Da finden wir Groove, Cuts und Vocal-Fragmente eingehüllt von einer treibenden Bassdrum. Man weiß nicht, wo man hier ist. Irgendwo zwischen House und Techno eben, aber dieses Ding schreit erbarmungslos: “BEWEG DICH!” Are we here gelingt das Kunststück, sowohl im Warm-Up, als auch zur Peak-Time oder auch bei der Afterhour eine gute Figur zu machen und sowas muss man erstmal schaffen. Den Abschluss unserer Platte der Woche bildet Remains Pastdessen kräftiger Grundschlag uns erst an den Sound von Künstlern wie Skudge erinnert, später durch die gelungene Einführung einer prägnanten Padmelodie aber viel mehr nach Größen wie Jesper Dahlbeck aka The Persuader klingt. Atmosphärisch, detroitig, wunderbar.

    4 Stücke und alle 4 spielbar und geeignet für unterschiedlichste Situationen, das macht diese Platte zu etwas ganz besonderem, dem man gern mal ein Ohr widmen kann. Oder, um unsere anfänglich Analogie ein letztes Mal anzuwenden: Wäre “Modification EP” eine Magic-Karte, dann wäre sie ziemlich gut…reinhören!

    Bleibt neugierig und bis zu nächsten Mal,

    der Julius von Solid Rotation

    Goldffinch – Modification EP

    Label: Valence – VAL004
    Format: Vinyl, 12″
    Country: Netherlands
    Release Date: 07.03.2016
    Genre: Techno


    Platte der Woche #291

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    22/05/2016 · Vivian Koch · Kategorie: Platte der Woche ·

    Cover Vivian PDW

    In dem aus dem Jahr 2011 erschienen Album von John Maus werden nicht nur Electronic, Rock und New Wave Elemente miteinander verknüpft. Es wird mit so warmen Stimmen und Harmonien ein Raum durch wahnsinnig simple Wortspiele aufgebaut, die doch die Welt bedeuten. Die Stücke widerspiegeln einen Kosmos, in dem wir uns alle bewegen, ob individuell oder gemeinsam. Wir versuchen tagtäglich in dem “Da sein” erfüllende Kleinigkeiten, aber auch negative Erfahrungen und Rückschläge einzubetten, um die so oft verfluchte Unbeständigkeit aufrecht zu erhalten und das Abenteuer nicht langweilig werden zu lassen.

    Mit solchen Gedanken und Melodien dieser Platte sollten wir mal reflektiert in die neue Woche starten!

    Da haben wir wieder die Albumkategorie “schön”, oder?

    V

    John Maus – We must become the pitiless censors of ourselves 

    Label: Upset! The Rhythm ‎– UTR049
    Format: Vinyl, LP, 45 RPM, Album, Clear
    Land:UK
    Veröffentlicht: 21 Nov 2011
    Genre: Electronic, Rock, Pop
    Stil: New Wave, Lo-Fi

    Platte der Woche #290

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    15/05/2016 · Baba Sikander · Kategorie: Platte der Woche ·

    Wenn ich die Ehre habe eine Platte der Woche vorzustellen, suche ich mir einen passenden Moment an einem ruhigen Ort und lausche in mich hinein. Meist höre ich noch das Echo inspirierender Klänge im Ohr oder finde einen aktuellen Bezug, den ich mitteilen möchte. Wenn ich aber jetzt lausche, dann höre ich nicht nur das Echo einer einzelnen, sondern eine Echosuppe von mindestens tausend Inspirationen. Ich stehe in einer großen Höhle mit vielen schallenden Erinnerungen an einen einzigartigen Weggefährten, der vor Kurzem gegangen ist und nie wieder zurück kehren wird.

    Es fühlt sich gerade unmöglich an, all die heraufziehenden Gefühle, all diese geteilten Erlebnisse an einem einzelnen Stück Musik festzumachen, wenn mir dieser Mensch doch eine neue Perspektive auf elektronische Musik im Ganzen gezeigt hat. Es ist keine einzelne Melodie, die meinen Soundtrack zu einer Collage aus bewegenden Momenten bildet. Nicht eine einzelne Bassline, nicht ein einzelner Beat… Stattdessen höre ich ganze Festivals und Afterhours in meinem Kopf hallen. Aber ich höre nicht nur Musik sondern auch leidenschaftlich vorgetragene Worte, die begeistern, verwirren und nachhaltig prägen… Ein Widerhall von Erlebnissen, die erst im Rückblick wirklich Sinn ergeben und sich zu einem komplexen, nicht immer harmonischen, aber stets mächtigen Soundtrack fügen. Gespielt von jemandem, dessen Energie so Vieles bewegt und so Viele zusamen geführt hat. Von jemandem, dessen Musik in auffälligem Kontrast zu seinem selbst gelebten Tempo stand.

    Tempo, Antrieb, Lebenslust… Diese Begriffe bewegen mich gerade sehr und bringen mich zu der Frage, wie man seine Zeit lebt und erlebt. In der Länge, der Dauer? in der Tiefe, der Intensität? Mal so, mal so? Hebt man noch Energie für später auf oder versprüht man seine Lebenskraft und -freude jetzt? Was macht man mit seiner Zeit? Wie schnell ist die Zeit vorbei? Kann man sich in der Zeit verlieren und wie tief? Oder kann man der Zeit auch voraus sein? Ich spüre wie noch nie zuvor, dass Zeit eine höchst individuelle Wahrnehmung ist und einen höchst individuellen Ausdruck findet. Ich habe vorgelebt bekommen, wie unglaublich und auch übermenschlich intensiv Zeit gelebt und verlebt werden kann. So intensiv, wie ich es selbst nie könnte…

    Es bleibt ein Einklang aus Momenten großer Dankbarkeit an einen Gefährten, der mich eingefangen und eingespannt, begeistert und getrieben, gefördert und auch verwirrt hat. Unter all diesen Gefühlen und Gedanken erklingt nun doch immer deutlicher eine sanfte Melodie. Ein Lied, das in seiner ganzen Schlichtheit wunderschön zeitlos ist und ein Gefühl von Ewigkeit transportiert – vor allem wenn es 8% runter gepitcht wird. „Lost track of time…“ – so traurig wie wahr…

    „Time“ auf Pachanga Boys – Girlcatcher

    Label: Hippie Dance
    Format: Vinyl, 12“
    Country: Deutschland
    Jahr: 2011
    Genre: Electronic
    Style: Techno, Tech House


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