Platte der Woche #360


19/11/2017 · Julius Herfurth · Kategorie: Platte der Woche ·

new energy

Als ich heute mit meiner Tochter zu einem Spaziergang durch den Park antrat, musste ich kurz nach Verlassen der eigenen vier Wände unweigerlich feststellen: “Ja, der Winter ist definitiv da…” Und wenn die Witterungen nur noch Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich aufweisen können und der zugehörige Herbstwind diese dann noch gefühlt unter die Null treibt, dann wünscht man sich doch nichts sehnlicher als ein kleines bisschen Wärme.

Meine letzte Rezension für das Tanz- und Klangkombinat (“Schnüff – es hat wirklich viel Spaß gemacht!”) soll euch eine Platte bescheren, die genau für dieses ersehnte Stückchen Wärme steht, so dass ihr den Winter und die erste Zeit ohne uns gut übersteht. Es ist nicht lange her, da hielt der heutige Künstler auch schon für einen Eintrag zur “Platte der Woche” her, damals aber ging es um einen Remix, welchen er für einen bis zu diesem Zeitpunkt unveröffentlichten Track des Schweden Todd Terje angefertigt hatte. Heute soll es uns allein um Kieran Hebden, besser bekannt als Four Tet, gehen.

Vor gut einem Monat veröffentlichte der Brite sein mittlerweile neuntes Studioalbum “New Energy” auf dem von ihm gegründeten Label Text RecordsWie eingangs erwähnt, ist “warm” bestens geeignet dieses Album in seiner Gänze zu charakterisieren. Four Tet besticht durch ein meisterhaftes Händchen für organische, subtile Klänge, die zwar etwas weniger experimentell sind als es noch vor ein paar Jahren der Fall war, dafür aber nicht weniger hörenswert. Hebdens Kompositionen sind vielschichtig und eignen sich für eine dezente Hintergrundbeschallung genauso wie für ein eingängiges Rendez-Vous mit unseren Kopfhörern. Wählt man letztgenannten Weg, stellt man schnell fest, wie tiefgründig die Stücke auf dem Album sind, obgleich sie im ersten Moment eher poppig und seicht wirken. Four Tet versteckt Akzente, spielt mit winzigen Details und beschert dem aufmerksamen Hörer somit ein wunderbar komplexes Klangerlebnis. Ob es sich hier um rhythmische Elemente handelt, die klingen, als hätte man einen Geigerzähler gesampelt, oder um ganz dezent im Hintergrund auftauchende Vocalspuren, die in ihrer Machart an die dystopischen Klangwelten eines Burial erinnern, viel ist hier versteckt und es wird einige Zeit brauchen, all diese kleinen Schmuckstückchen zu entdecken.

Nach eigener Aussage des Künstlers ist beinahe die gesamte Platte synthetisch entstanden: “Created on a laptop computer using Ableton Live software to control and mix VST plugins as well as manipulations of audio recordings. Plugins used for sound generation include Omnisphere, Kontakt, Dexed and Arturia V Collection.” Durch einen handwerklich einwandfreien Umgang mit Samples hört man dies einigen Stücken Hebdens aber so gut wie gar nicht an, ein Talent, welches meines Erachtens maßgebend für den Stil und der Erfolg des Briten ist. Schon auf früheren Auskopplungen war es immer dieser realitätsnahe Klang, welchen er zu erzeugen im Stande ist, der einem das Gefühl gab, etwas besonderes zu hören.

Wenn euch also an diesen Winterwochenenden des Jahres 2017 der Frost langsam in die Glieder kriecht, dann hört euch doch dieses Album an…es lohnt sich und beschert einem ein ähnliches Gefühl, wie ein Schnaps im Schnee…nur ohne Alkohol. Habt schöne Weihnachten und rutscht gut rein und auch ohne unsere wöchentlichen Vorschläge: Bleibt neugierig!

Bis dann,

der Julius von Solid Rotation

Four Tet – New Energy

Label: Text Records – TEXT046
Format: various (vinyl, cd, download)
Country: UK
Release Date: 27.09.2017
Genre: Electronic
Style: Ambient, House, Techno, Experimental



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