Platte der Woche #353


24/09/2017 · Baba Sikander · Kategorie: Platte der Woche ·

Billy Caso – The Day Before Tomorrow
billy caso - the day

Billy Casos Tracks treffen bei mir einen Nerv. Ich mag seine lässige Art, den Floor mit nachhaltigen, bewegenden Basslines zu füttern und darüber eine verständliche, auf den Punkt gebrachte Story zu legen. Sein stets sauber gemischter Sound unterstreicht das Ganze und macht mir beim Mixen echte Freude. Seine Tracks haben viel Atmosphäre und einen aufgeräumten Charakter, so dass ich es einfach liebe, davon ausgehend die Stimmung in meinen Sets zu weben. Mit einer derartigen Voreingenommenheit und Erwartung im Gepäck, habe ich mir sein vor einer guten Woche erschienenes neues Album heruntergeladen und zum House-Frühstück an diesem bitteren, verregneten Bundestagswahlschicksalssonntag gegönnt.

„Gabito“ eröffnet das Album so wie ich an einem frischen Sommermorgen am Waldsee geweckt werden möchte. Eine Stunde bevor die Afterhour richtig losgeht. Ausgeruht. Neugierig. Erwartungsvoll. Lässig wieder reinkommen. Wippend zum Zähne Putzen und dann erstmal nen Espresso. Oder andersrum?

„Downtown“ ist eine ziemlich nasse Angelegenheit. Nach der Rückkehr vom Waldsee weckt die verregnete Hinterhofatmosphäre offenbar den Wunsch, Regen auch einfach mal abstellen zu können – sehr verständlich und nachvollziehbar. Mit dieser warmen, kuscheligen Bassline und diesem unaufgeregt streichelndem Hang könnte ich aber auch ertragen, wenn es weiterhin Hunde und Katzen regnet.

Was in „Miami“ genau los war, entzieht sich nach wie vor meiner Kenntnis. Ich hatte diese Party zwar verwanzt und abgehört, hier und da Gesprächsfetzen aufgenommen. Aber ich konnte nicht hören um was es ging. Da war die ganze Zeit so ein hüpfender Bass, dem sich meine Aufmerksamkeit einfach nicht vermochte zu entziehen.

Ein Alptraum ist der folgende Track mitnichten, finde ich. „TV Nightmare“ scheint sich eher darüber zu mokieren, wie es jemand mit der Reparatur eines Fernsehgerätes aufnimmt. Das Bühnenbild in diesem Track vermittelt dabei nämlich keinen wirklichen Fortschritt – eher mündet das Ganze in immer wiederkehrenden Verzweiflungshandgriffen. Unterdessen geht der Track voll auf Sendung und schiebt sich auf mehreren Frequenzbändern modulierend langsam in meinen Tuner, so dass ich spätestens jetzt auf Empfang bin.

Was scheint mir diese Frauenstimme mitteilen zu wollen, die auf mehreren mächtigen Wellen in meinen Ohren zerfließt? „LA“ schiebt mich auf einem treibenden Rhythmus in einen leicht verzerrten Raum, wo ich mich in einem Bad aus obskurer Wärme oder zumindest warmer Obskurität wiegen kann. In diesem Raum befinden sich Laserkanonen, Straßenhunde und undichte Leitungen. Welche Botschaft die Dame in diesem Track für mich bereit hält, wird sich hoffentlich zu einem anderen Moment ergeben. Neugierig bin ich jedenfalls.

„Zeus“ hat bei mir nach einem halben Takt das ItaloDisco-Bassline-Knöpfchen gedrückt und mich zu einer Bemerkung hinreissen lassen, die auch als „Gesegnete Fäkalie“ umschreibbar wäre. Aber da hatte der ja noch nicht mal richtig angefangen… Ein Track zum WipeOut Daddeln, Autofahren oder raven. Immer wieder eine neue Welle und auch ne weitere Schippe Analoge Ästhetik drauf. Ein Level nach dem anderen. Auch wenn ich bestimmt jeden Track von diesem grandiosen Album spielen werde – „Zeus“ ist mein absoluter Favorit.

„43 Hours From Love“ flutet einen Schulhof mit tragendem, warmen Bass und spannt darüber einen Raum aus Reverbfahnen und getriggerten Vocals auf. Nasse, LFO-modulierte Akzente, dezente Percussions und eine mächtige Synth-Fläche schweben durch die Szenerie und kommen in mehreren Wellen wieder. Auch hier findet sich wieder dieses schöne Zusammenspiel zwischen den Flächen in der Tiefe und den Pads und Voices weiter oben, was sich eigentlich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht.

Wie zu Anfang beschrieben, bin ich sehr voreingenommen und voller Erwartung an dieses Album herangetreten und ich wurde nicht enttäuscht. Ich habe einiges von dem gehört, wofür ich Billy Caso bislang kannte und darüber hinaus noch weitere schöne Facetten seiner Art von House kennen gelernt. „The Day Before Tomorrow“ war mir eine Riesenfreude und mir brennt es schon unter den Nägeln, diese Inspiration gleich beim Jammen zu verarbeiten. Aber hört doch mal selber rein! :)

Billy Caso – The Day Before Tomorrow

Label: All rights reserved
Format: Digital
Country: DE
Release Date: 18.9.2017
Genre: Electronic
Style: House



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