Platte der Woche #343


18/06/2017 · Julius Herfurth · Kategorie: Platte der Woche ·

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Das Berliner Label SushiTech feiert in diesem Jahr seinen zwölften Geburtstag. 12 Jahre im Bereich der elektronischen Musik ist eine Marke, die erst einmal erreicht werden will, schließlich ist kaum eine andere musikalische Subkultur in solchem Maße von Schnelllebigkeit und Wandel geprägt. Anno 2005 von Yossi Amoyal gegründet, war der Weg und Stil der Plattenschmiede anfangs nicht klar vorgezeichnet und so hangelte man sich über einige mehr oder weniger erfolgreiche Releases über die ersten drei Jahre. 2008 folgte mit der Zusammenarbeit mit Steve O’Sullivan dann der Einschnitt, der die musikalische Richtung des kleinen Labels bis zum heutigen Tag prägen sollte.

O’Sullivan, einer der bekanntesten zeitgenössischen Vertreter des Dub-Techno-Genres, welcher die Urväter des Stils Moritz von Oswald und Mark Ernestus (zusammen als Maurizio bekannt) als seine maßgebliche Inspirationsquelle ansieht, veröffentlichte 2008 bei Sushitech 2 Sammlungen von Klassikern, welche er ursprünglich unter verschiedenen Pseudonymen für sein eigenes Label Mosaic produziert hatte. Dieser Release verhalf SushiTech zu nationaler Bekanntheit und ebnete den Weg für spätere Zusammenarbeiten mit Größen wie Delano Smith, Makam oder Mike Huckaby.

Musikalisch ist sich das Label seit dieser Zeit treu geblieben und treibt zwischen hypnotischen Deep-House und entspanntem bis treibenden Dub-Techno durch die Weiten des elektronischen Klangspektrums. Die unaufgeregte Art und die repetiv-minimalistischen Schleifen der ausgewählten Stücke verleihen den Veröffentlichungen der Berliner Künstlerschmiede ihren charakteristischen Klang. Es ist Musik für Liebhaber auf ganzer Linie, die auch durch eine durchdachte und intensive künstlerische Umsetzung beim Layout der Platten unterstützt wird. Es ist eben etwas anderes, eine grafisch gut gestaltete und hochwertige Gesamtkomposition in der Hand zu halten, als sich ewig durch grau-braun-beige Hüllen von der Stange wühlen zu müssen.

2009 schuf SushiTech mit Tessera eine großangelegte Kollektion bis zu diesem Punkt unveröffentlichter Stücke labelnaher Künstler, die bei Kennern schnell Anklang fand und gute Kritiken erntete. Sieben Jahre später, Ende des Jahres 2016 erschien der Nachfolger Tessera II in einer wunderbar gestalteten Box, die auf ihren fünf 12″-Platten jede Menge kleiner und größerer Schätze verbirgt.

Der Oktober 2016 liegt schon ein Weilchen zurück, dennoch ist mir diese Sammlung nun im Juni 2017 wichtiger als je zuvor und bildet dahingehend meine Wahl zur Platte der Woche. Dub-Techno geht meines Erachtens zwar immer, aber seine größte Wirkung entfaltet diese Musikrichtung dann, wenn der Sommer gekommen ist und wir auf allerlei Open-Airs nachmittags erst zu seichten reggae-artigen Kompositionen entspannt mit dem Kopf wippen und uns später von hypnotisch treibenden Bässen auf die Tanzfläche locken lassen. Und da uns die warmen bis heißen Temperaturen nun fest im Griff halten, ist auch die beste Zeit für diese Platte gekommen.

Auf Tessera II vereint SushiTech erneut die Größen, sowie wichtige Freunde des Labels und liefert somit eine großartige Sammlung ab, die jeden Cent wert ist (derzeit ca. 50€). Dafür bekommt man dann aber mit 18 Stücken auch beinahe drei Stunden sehr guter Musik. Ich kann hier nur sagen: Für Liebhaber der dubbig-progressiven Spielart der Tanzmusik ein Muss: Analogchords und LFO’s For The Win! Zugreifen…

Ich gehe hier nicht in die Tiefe, jedes der einzelnen Stücke in Gänze zu betrachten und lasse lieber die Musik für sich sprechen. (Skits zu allen Stücken findet ihr hier: https://soundcloud.com/sushitech/sets/va-tessera-ii) Als exemplarisches Klangbeispiel in Gänze dient uns heute der Beitrag von Rhauder & Paul St. Hilaire. Kopfhörer auf und zurücklehnen!

Reingehauen und neugierig bleiben. Bis zum nächsten Mal,

der Julius von Solid Rotation

Various Artists – Tessera II

Label: SushiTech Records – SUSH40
Format: 5 x 12″, Box Set
Country: Germany
Release Date: 06.10.2016
Genre: Electronic
Style: Dub Techno, Deep Techno, Deep House, Ambient



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