Platte der Woche #334 – Baba Sikander “Mantra”


09/04/2017 · Baba Sikander · Kategorie: Allgemein,Platte der Woche ·

Baba Sikander – Mantra (LMP30)

mantra cover blass

Ein Mantra ist ein gesprochenes Wort oder ein Vers. Es trägt in seinem Klang eine Energie, die durch Sprechen, Chanten oder Rezitieren im Geiste geweckt werden kann. Lange habe ich das für esoterischen Hippie-Quatsch gehalten, musste aber vor einigen Jahren feststellen, dass da irgendwie was dran ist. Vielleicht bin ich aber auch nur selbst ein esoterischer Hippie geworden. Jedenfalls bin ich vor einigen Jahren auf ein Mantra gestoßen, das mich seitdem in fast regelmäßigen Abständen heimsucht, weckt, anstupst, auflädt – wie auch immer… Es handelt sich dabei um das Sri Ganesh-Mantra „Om gam ganapatye namaha“, das die Energie eines treuen, pfiffigen und elefantenstarken Gefährten weckt und hilft, den richtigen Weg zu finden und Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Normalerweise würde an dieser Stelle jetzt eine Plattenkritik oder -rezension erscheinen. Heute möchte ich aber seit langer Zeit wieder mal einen Beitrag in eigener Sache bringen und meine neue EP mit dem, nach obiger Einleitung nicht mehr überraschenden, Titel „Mantra“ vorstellen, die ab morgen (10.4.2017) beim Digitalmusikhändler ihres Vertrauens erhältlich ist. Sie erscheint auf Lump Records, worüber ich mich sehr freue, da sie sich dort in wirklich guter Gesellschaft befindet. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere noch an einen früheren Beitrag an dieser Stelle, als ich bereits ein Auge auf diesen Quell guter Musik geworfen hatte.

Meist wird das Ganesh-Mantra sehr fröhlich gechantet. Unbeeindruckt davon, habe ich mich entschlossen, einfach auf die Melodie zu warten, die ich beim Selberchanten irgendwann hören würde. Vielleicht hat es nur eine glückliche Dreiviertelstunde gedauert, bis mir eine kraftvolle, mächtige Stimme dann ein persönliches Mantra eingebrannt hatte.

Nachdem dieses Mantra zu einem Track wurde, der erstmal zum Reifen einige Monate in den kühlen, dunklen, tiefen Ecken meiner Harddisk abgelegt wurde, kam er eines Tages am anderen Ende der Welt wieder ans Licht, als ich ihn Niju auf der Veranda des North Shore Techno Institutes auf Oahu vorspielte. Es inspirierte ihn, einen Remix zu machen und ich dachte mir, dass wohl der nötige Reifegrad erreicht ist, um daraus eine Digital-EP zu schmieden. Aber dann kamen mir jedoch erstmal wieder andere von diesen „Dingen“ dazwischen…

Dem Thema des Mantras entsprechend, hat es glücklicherweise nicht stillgestanden, sondern sich stetig seinen Weg durch den Morast und durch das Dickicht meiner (Ver-)Planung und meiner vielen Baustellen gekämpft. Doch wenn einem elefantisch der Weg durch den Dschungel freigeräumt wird, fliegen einem auch hin und wieder Splitter um die Ohren – manchmal knallen sie einem auch ins Gesicht, oder ins Herz…

Auf mein schweres, knarziges und gemäßigt dissonantes Original folgt Niju’s Remix, der das Tempo konsequent runter dreht und dabei trotzdem eine melancholische Leichtigkeit ins Spiel bringt, die auf einem psychoaktiven Reverb langsam aus einer Höhle smooth jammender Dropouts herauswabert, wo sie auf Jota’s Remix trifft. In der schwülen Mittagshitze seiner Interpretation wandelt sich die Leichtigkeit dann in eine taumelnde Schwere, die leicht torkelnd und halluzinierend von einer Tanpura durch tropisches Unterholz gezogen wird, bis sie auf einer freien Lichtung mehrere Elefanten erblickt, die sich um ein Lebkuchenhaus herum versammelt haben. Die Leichtigkeit, die sich in Schwere gewandelt hatte, wandelt sich nun in Neugier und schleicht sich in der Abenddämmerung an das Lebkuchenhaus heran. Sie findet dabei heraus, dass es aus der Nähe betrachtet eigentlich ein Afterhour-Club ist, in dem sich Felix Reiters Remix zusammen mit Katha Mau, die gerade eine Katze für die Cover-Collage auf zwei Dimensionen reduziert und Gitte Verführt, der sich für die finale Klangpolitur in Stimmung bringt, vor dem Tageslicht versteckt hatte. Nun, in der Dämmerung zieht Felix das Tempo wieder deutlich an und erzählt der Neugier eine epische Geschichte vom Stottern, Stolpern und Blubbern. Daraufhin versucht die Neugier aus diesem Blog in deinen Kopf zu kriechen…

Baba Sikander – Mantra
Label: Lump Records

Format: Digital
Country: Chile
Release Date: 27.03.2017
Genre: Downtempo, Kundalini Schingeling



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