• Platte der Woche #348

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    20/08/2017 · honki · Kategorie: Platte der Woche ·

    Ich glaube, die wenigsten von uns haben schon einmal bewusst einen Berg erklommen. Ich meine damit nicht das gerade in Thüringen so beliebte Wandern, bei dem man irgendwann mal auf einem Hügel steht, der sich Berg nennt, sondern das mühseelige Erklimmen eines hochalpinen Riesen. Eine gewaltige Anstrengung für Körper und Geist, die Natur zu überwinden, der Kälte, dem Wind und dem Berg an sich zu trotzen und erst nach einigen Tagen auf dem Gipfel zu stehen mit dem alles belohnendem Blick über die zurückgelegten Pfade. Es muss ein wahrlich erhabener Moment sein, dieses Gefühl etwas aus eigener Leistung heraus erschaffen zu haben.

    Sehr ähnlich muss es da wohl auch dem noch recht jungen Weimarer Label MIND EVEREST gegangen sein, die Anfang letzten Jahres ihr Debut mit ZINE und seiner ›M – E‹ betitelten EP feiern durften, sozusagen die Erklimmung ihres ersten Riesen und sich so ganz selbstbewusst und mit Blick nach oben, neben die Weimarer Weltprominenz GIEGLING stellten. Und so wie es den meisten Bergsteigern geht, so suchten auch die Everest Jungs nach neuen Herausforderungen und präsentierten letzten Monat ihre zweite Auskopplung von LOWSHORE namens ›Steda‹.

    Fast schon exemplarisch für den Label-Namen stehend, erscheint diese Platte, wie der Aufstieg zu ungeahnten Höhen. Die vier Titel der EP arbeiten sich dabei langsam und stetig in feinster Deep-House bis Dubtechno Manier weiter nach oben, immer wieder aufgelockert durch Ruhephasen, die in lockeren Zwischenspielen auch eine Prise Jazz oder Funk einfließen lassen. Den jeweiligen Gipfel kann sich der Zuhörer dabei gerne selbst setzen, das Tempo und Intensität steigern und sich selbst dabei entdecken irgendwann auf dem geistigen Gipfel dieser Platten anzukommen — dem Mind Everest.

    In diesem Sinne, ich bereite mich schon mal für den nächsten Aufstieg vor und kann allen von euch diese Platte nur wärmstens ans Herz legen.

    Es grüßt,
    euer Honki.

    Lowshore ‎– Steda
    Facebook / Soundcloud
    Label: Mind Everest ‎– MIND2
    Format: Vinyl, 12″
    Land: Germany
    Veröffentlicht: Jul 2017
    Genre: Electronic
    Stil: House


    Platte der Woche #347

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    06/08/2017 · Martin Anacker · Kategorie: Platte der Woche ·

    Ziemlich genau drei Jahre nach Ihrem letzten gemeinsamen Projekt haben sich John Talabot und Axel Boman im März diesen Jahres endlich wieder zusammengefunden. Von einem Nachfolger ihres Hits Sideral zu sprechen, wäre in diesem Zusammenhang sogar fast noch eine Untertreibung. Diesmal gab es, quasi als Entschädigung für die lange Wartezeit, gleich einen amtlichen Longplayer auf dem Label R&S Records. Herausheben möchte ich ganz besonders das Stück Looser’s Hymn. Eine Nummer zum träumen, schweben, fliegen und sich verlieben. Über acht Minuten haben die Beiden dem Track gewidmet und es geschafft, dass nicht auch nur eine einzige davon zu irgendeinem Zeitpunkt langweilig sein könnte. Bei so großartiger Arbeit werden wir hoffentlich auf das nächste Release nicht noch einmal drei Jahre warten müssen!

    Einen schönen Sonntag an alle!
    euer Martin Anacker

     

    Talaboman ‎– The Night Land

    Genre: Electronic
    Stil: Deep House, Leftfield
    Jahr: 2017

    Platte der Woche #346

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    23/07/2017 · Philipp · Kategorie: Platte der Woche ·

    PDW_Cover

    Es ist mal wieder soweit. Wir haben Sonntag. In recht regelmäßigen Abständen ist dieser Sonntag damit verbunden, diverse Tonträger durchzustöbern und sich mal wieder mit seiner Sammlung auseinanderzusetzen. Bisher hatte ich mir nie wirklich überlegt, nach welchen Kriterien ich mir die Platte der Woche auswähle. In der Vergangenheit waren es wohl solche, die über einen längeren Zeitraum Einsatzbefehle erhalten hatten und den Koffer nicht verließen. Im Rahmen dieses Beitrags ist es ein wenig anders: Fernab eines Liebe auf dem ersten Blick-Moments ist meine Platte der Woche eher ein Regalschleicher. Mit Sicherheit hatte ich die Platte schon mal durchgehört aber ist wohl aus Gründen wieder von der Bildfläche verschwunden. Umso besser im Verteiler der Platte der Woche zu sein. Darf Ich vorstellen: Scott Grooves- Parts Manager 2! Seine musikalische Taufe erhielt er vom Überchef Jeff Mills, als er zu Jeff`s legendären Radioshow „The Wizard Radio“ eingeladen wurde. Die Dinge nehmen seinen Lauf. Er hat durch seine Arbeit als Keyboarder bei Inner City sein Schaffen in Detroits bekanntesten Plattenladen Recordtime und zahlreichen Gehversuchen auf dem Detroiter Label Soiree einmal mehr unter Beweis gestellt, dass er zum harten Kern der Detroiter School gehört und diese auch aufrechterhält. In der Folgezeit kam es zu Releases auf KMS sowie Soma und zu Kollaborationen mit Kevin Sauderson. Beim Hören seiner Stücke verfestigt sich der Eindruck, dass er mit seiner Musik eine Verbindung mit den Menschen eingehen will. Dabei verbindet er das organische mit dem synthetischen und schreckt vor größeren Stilbrüchen nicht zurück. Dies wird auch in seiner Parts Manager verdeutlicht, sodass Elemente aus Techno, House und Electro den Forminhalt seiner Tracks bilden und von einem einschlägigen Bezugsstil abgesehen wird. Damit verbunden geht von allen Liedern ein Zeitlos-Charakter aus.

    Schönen Sonntag Euch,

    Gabriel von Solid Rotation

    Scott Grooves- Parts Manager 2

    Label: Natural Midi ‎– Natural MIDI 009, Natural Midi ‎– NM-009
    Serie: Parts Manager – 2
    Format: Vinyl, 12″, 33 ⅓ RPM
    Land: US
    Veröffentlicht: Nov 2016
    Genre: Electronic
    Stil: HouseDeep HouseDowntempo


    Platte der Woche #345

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    04/07/2017 · Vivian Koch · Kategorie: Berlin,Platte der Woche ·

     

    Robert Leiner

    Hallo ihr Lieben,

    letzes Wochenende hatte ich super viel Zeit, um endlich mal wieder meine übliche Discogs-Recherche in Bezug auf alte Pioniere unserer Musikszene zu betreiben. Diesmal stand auf meiner Hausaufgabenliste als zuletzt hinzugefügte Notiz an mich selbst:

    “Robert Leiner – holy crap! nochmal alles durchschauen!!!”

    Daraufhin durchforstete ich alle Produktionen von dem schwedischen Produzenten. Neben seinen wohl bekanntesten Pseudonymen “Andromatic”, “Source” und “Spirit (6)”, veröffentlichte er bereits in den 90ern Trance und Techno unter weiteren Decknamen. Der Titel der Platte, welche ich hier vorstelle, wird perfekt durch die Stimmung seiner Ambientstücke verkörpert, die einen förmlich in den Schlaf und somit zum Träumen lenken. Gerade zur momentanen Festivalzeit sollte diese Art von sphärischer und auch irgendwie trippy Musik definitiv auf diversen Ambient Floors ihren Platz finden, um Menschen gerade in freier Natur bei Tagträumen zu begleiten.

    Es lohnt sich absolut durch seine Discographie zu schauen, denn einige Prachtstücke kann man noch für wenig Geld ergattern. ;)

    Robert Leiner – Dream or Reality
    Label: Apollo
    Format: Vinyl
    Country: Belgium
    Release Date:1994
    Genre: Electronic
    Style: Ambient


    Platte der Woche #344

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    25/06/2017 · Baba Sikander · Kategorie: Platte der Woche ·

    Modd – Buran EP

    modd - buran.cover

    Das Label „Seven Villas“ aus Barcelona ist für mich seit Längerem schon eine gute Anlaufstelle wenn meine Laune sich wieder nach positiv dubbendem Sound sehnt. Deren vorletzte Veröffentlichung hat es mir besonders angetan, denn sie eignet sich außerordentlich gut, um auf Festivals die Sonne hervorzuspielen. Ich habe das selbst ausprobiert und schreibe dieser EP (trotz ihres Titels!) seit vorvergangenem Wochenende daher ein gewisses meteorologisches Potenzial zu.

    Die vier Stücke auf „Buran“ sind sehr homogen und erzeugen allesamt eine schöne, entspannt nach vorne fließende Stimmung. Modd, der unter anderem schon auf Anjunadeep und Kindisch veröffentlicht hat, spielt hier mit klaren, sauber arrangierten Klängen, die sich lässig zu einer aus den Lautsprechern strömenden kühlen Brise vereinen, während es hier schmatzt und klackert, dort fließt und wieder hüpft.

    Der Opener „Cosmic“ schafft es sofort, mich in eine sommerlich-fröhliche Stimmung zu bringen. Typisch dubbig auf einem melodiösen Basslauf reitend, umspielen Echos einer dezent gezupften Gitarre und aus der Ferne getriggerte Vocalfetzen mein Gemüt und tragen es in höhere Sphären. Dieses stetig schmelzende Pad und die aus dem Nichts heranwabernden Piano-Chords vermengen sich dabei gekonnt zu einer ziemlich fein abgeschmeckten Leichtigkeit.

    Das Titeltück „Buran“ knüpft an diese Leichtigkeit an und ergänzt sie um eine feucht-plätschernd klingende Hintergrundstimmung, während sich unter einem Himmel aus treibenden Hihats und Cymbals langsam dieser behäbig auf- und abfließende, wunderschön einfach gehaltene Track aufbaut. Buran ist Russisch und bedeutet „Schneesturm“, was Sinn macht, wenn man genau hinhört, wie sich die kühl und leicht anfühlenden Klänge im Laufe des Tracks verdichten.

    „Jida“ nimmt anschließend eine orientalisch angehauchte Stimmung auf und fließt lässig an prägnanten Shakern und einem treibend geschlagenen Stück Holz entlang, um sich gelegentlich unter einem Schleier aus zärtlich gestrichenen Saiten zu verstecken. Die sexy Bassline arbeitet stets dagegen an und schiebt den Track wieder und wieder an die frische Luft.

    „Vadhoo“ übernimmt die orientalische Stimmung des Vorgängers und bereichert sie noch um einen fliegenden Teppich, der sich mehrmals von tragenden Streichern vor dem Absturz bewahren lassen muss, während drumherum viel auf Holz geklopft wird. Die Grundstimmung ist hier im Gegensatz zu den anderen Stücken eher kontemplativ bis melancholisch und bewegt sich damit in die für orientalisch angehauchten Deep House üblichen Gefilde – glücklicherweise kommt auch dieses orientalische Stück ohne die an anderen Stellen längst überhörten weinerlichen „Uh-Uh-Uh“-Vocals aus… ;)

    Modd – Buran EP
    Label: Seven Villas
    Format: Digital
    Country: Spain
    Release Date: 17.05.2017
    Genre: Electronic
    Style: Dub, House, Deep House


    Platte der Woche #343

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    18/06/2017 · Julius Herfurth · Kategorie: Platte der Woche ·

    TesseraII__0014_Layer-3-copy_640

    Das Berliner Label SushiTech feiert in diesem Jahr seinen zwölften Geburtstag. 12 Jahre im Bereich der elektronischen Musik ist eine Marke, die erst einmal erreicht werden will, schließlich ist kaum eine andere musikalische Subkultur in solchem Maße von Schnelllebigkeit und Wandel geprägt. Anno 2005 von Yossi Amoyal gegründet, war der Weg und Stil der Plattenschmiede anfangs nicht klar vorgezeichnet und so hangelte man sich über einige mehr oder weniger erfolgreiche Releases über die ersten drei Jahre. 2008 folgte mit der Zusammenarbeit mit Steve O’Sullivan dann der Einschnitt, der die musikalische Richtung des kleinen Labels bis zum heutigen Tag prägen sollte.

    O’Sullivan, einer der bekanntesten zeitgenössischen Vertreter des Dub-Techno-Genres, welcher die Urväter des Stils Moritz von Oswald und Mark Ernestus (zusammen als Maurizio bekannt) als seine maßgebliche Inspirationsquelle ansieht, veröffentlichte 2008 bei Sushitech 2 Sammlungen von Klassikern, welche er ursprünglich unter verschiedenen Pseudonymen für sein eigenes Label Mosaic produziert hatte. Dieser Release verhalf SushiTech zu nationaler Bekanntheit und ebnete den Weg für spätere Zusammenarbeiten mit Größen wie Delano Smith, Makam oder Mike Huckaby.

    Musikalisch ist sich das Label seit dieser Zeit treu geblieben und treibt zwischen hypnotischen Deep-House und entspanntem bis treibenden Dub-Techno durch die Weiten des elektronischen Klangspektrums. Die unaufgeregte Art und die repetiv-minimalistischen Schleifen der ausgewählten Stücke verleihen den Veröffentlichungen der Berliner Künstlerschmiede ihren charakteristischen Klang. Es ist Musik für Liebhaber auf ganzer Linie, die auch durch eine durchdachte und intensive künstlerische Umsetzung beim Layout der Platten unterstützt wird. Es ist eben etwas anderes, eine grafisch gut gestaltete und hochwertige Gesamtkomposition in der Hand zu halten, als sich ewig durch grau-braun-beige Hüllen von der Stange wühlen zu müssen.

    2009 schuf SushiTech mit Tessera eine großangelegte Kollektion bis zu diesem Punkt unveröffentlichter Stücke labelnaher Künstler, die bei Kennern schnell Anklang fand und gute Kritiken erntete. Sieben Jahre später, Ende des Jahres 2016 erschien der Nachfolger Tessera II in einer wunderbar gestalteten Box, die auf ihren fünf 12″-Platten jede Menge kleiner und größerer Schätze verbirgt.

    Der Oktober 2016 liegt schon ein Weilchen zurück, dennoch ist mir diese Sammlung nun im Juni 2017 wichtiger als je zuvor und bildet dahingehend meine Wahl zur Platte der Woche. Dub-Techno geht meines Erachtens zwar immer, aber seine größte Wirkung entfaltet diese Musikrichtung dann, wenn der Sommer gekommen ist und wir auf allerlei Open-Airs nachmittags erst zu seichten reggae-artigen Kompositionen entspannt mit dem Kopf wippen und uns später von hypnotisch treibenden Bässen auf die Tanzfläche locken lassen. Und da uns die warmen bis heißen Temperaturen nun fest im Griff halten, ist auch die beste Zeit für diese Platte gekommen.

    Auf Tessera II vereint SushiTech erneut die Größen, sowie wichtige Freunde des Labels und liefert somit eine großartige Sammlung ab, die jeden Cent wert ist (derzeit ca. 50€). Dafür bekommt man dann aber mit 18 Stücken auch beinahe drei Stunden sehr guter Musik. Ich kann hier nur sagen: Für Liebhaber der dubbig-progressiven Spielart der Tanzmusik ein Muss: Analogchords und LFO’s For The Win! Zugreifen…

    Ich gehe hier nicht in die Tiefe, jedes der einzelnen Stücke in Gänze zu betrachten und lasse lieber die Musik für sich sprechen. (Skits zu allen Stücken findet ihr hier: https://soundcloud.com/sushitech/sets/va-tessera-ii) Als exemplarisches Klangbeispiel in Gänze dient uns heute der Beitrag von Rhauder & Paul St. Hilaire. Kopfhörer auf und zurücklehnen!

    Reingehauen und neugierig bleiben. Bis zum nächsten Mal,

    der Julius von Solid Rotation

    Various Artists – Tessera II

    Label: SushiTech Records – SUSH40
    Format: 5 x 12″, Box Set
    Country: Germany
    Release Date: 06.10.2016
    Genre: Electronic
    Style: Dub Techno, Deep Techno, Deep House, Ambient


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