• Platte der Woche #352

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    17/09/2017 · Julius Herfurth · Kategorie: Platte der Woche ·

    tsem

    Wir mögen Musik, soviel steht fest. Ihr so sehr, dass Ihr das Internet nach neuen Ideen und Glanzstückchen der akustischen Kunstlandschaft durchforstet; ich so sehr, dass ich mir die Zeit nehme, alle paar Monate über, meines Erachtens besonders gelungene Dinge zu schreiben. Heute soll es mir um eine besondere Form des Hörerlebnisses gehen. Denn neben Einzeltracks, die uns beeindrucken und Alben, die ob ihrer individuellen Selection auch sehr gut funktionieren, gibt es noch eine dritte erwähnenswärte Form: das Konzeptalbum. Dieses besticht vorrangig durch seine Gesamtkomposition, ist ein in sich geschlossenes Stück mit Anfang und Ende und ist daher wohl sehr von den Sinfonien und Orchestralwerken der Klassik beeinflusst. Pink Floyd waren zu ihrer Hochphase unzweifelhaft Meister dieser Form von Langspieler und wurden später im psychedelisch, rockigen Bereich von Bands wie Porcupine Tree oder Tool abgelöst. Auch im elektronischen Genre gab und gibt es immer wieder Versuche, solche klangreiseartigen Gesamtkunstwerke zu erschaffen. Die Natur der artifiziellen Klang- und Rhythmuserzeugung entpuppt sich dabei allerdings immer wieder als ernstzunehmendes Hindernis, denken wir zum Beispiel an Sven Väth’s “The Harlequin, the Robot and the Ballet Dancer”, welches neben seinem etwas pathetischen Titel musikalisch letztlich sehr statisch wirkte und dementsprechend ein Eintauchen und Wegdriften des Hörers nicht wirklich zu bewerkstelligen wusste.

    Nun ist mir dieser Tage ein kleines Wunderwerk in die Hände gefallen, welches bereits im Januar diesen Jahres seine Veröffentlichung feierte und bei dem ich mich wunderte, wie es so gänzlich an mir vorübergehen konnte. Verursacher meines neusten musikalischen Nerdgasms ist der Engländer Ross Tones alias Throwing Snow, den ich bereits durch einige kleinere Veröffentlichungen kannte, mit dem ich mich aber noch nie eingehender beschäftigt hatte: aus heutiger Sicht ein grober Fehler. Tones Album “Embers” zeichnet sich in erster Linie durch Vielschichtigkeit aus: Von Dub-Step über Break-Beats, Chillout, Techno und House gewürzt mit etwas Trip-Hop, Drone, Ambient und Postrock oder Garage…die Einflüsse aus denen sich seine Kompositionen nähren sind zahlreich. Dies verleiht der Musik des Briten einen experimentellen und abwechslungsreichen Charakter, welcher durch seine ausgezeichnete minimalistische Arbeitsweise nur noch verstärkt wird. Variation ist das Zauberwort. Tones verändert und moduliert immer und immer wieder und erzeugt so eine wunderbare Organik, die der Stasis der synthetischen Klangerzeugung dauerhaft entgegenwirkt. Wir haben nie das Gefühl, zweimal die selbe Stelle zu hören, etwas, dass man in der elektronischen Musiklandschaft erst einmal erreichen muss. Throwing Snow schickt uns auf eine Reise und genauso vielseitig wie die Einflüsse der Musik, sind die Emotionen, die sie in uns hervorruft. Von Melancholie über kraftvollere Aufbruchsstimmungen, kalten Dystopien bis hin zu warmen Wohlfühlklängen ist hier alles dabei und auf eine einzigartige Weise miteinander verwoben. Meine Damen und Herren, ich präsentiere: Das hier ist Kunst!

    Ein Wort der Vorsicht: Ein Album wie “Embers” entfaltet seine Wirkung nur in Gänze und um zu einem umfassenden Erlebnis und Verständnis des Werks zu gelangen, sollte man sich diese Zeit auch wirklich nehmen. Wer hier skipt, macht etwas falsch, so hart dies auch klingt. Lieber Kopfhörer auf, Augen zu und Hingabemodus einschalten…die 60 Minuten sollte man haben. Und nicht wundern, wenn man nach Ende der Zeit im stillen Kämmerlein sitzen bleibt und erstmal weiter über das Gehörte sinniert: Ging mir beim ersten Mal auch so.

    Für ein kleines Preview löse ich an dieser Stelle ein einzelnes Stück aus dem Album heraus. Dieses kann aber nicht im Mindesten das abbilden, was die Gesamtkomposition im Stande ist zu leisten. Wem es also gefällt, der sollte sich als nächstes das ganze bei bandcamp einverleiben. Da gibt es dann immernoch das Problem, dass zwischen den einzelnen Titeln kurze Pufferpausen sind, was die Immersion um Längen schmälert. Wer also beim stream denkt: “Das loift!”, der ist gut beraten, hier etwas Geld in den Erwerb der Platte zu stecken (am Besten digital oder auf CD – bei Vinyl wird man hier durch Seitenwechsel doch allzu heftig aus seinen Klangfantasien gerissen).

    Ich lass euch damit mal allein – ihr seid ja schon groß und wisst, wie’s geht… ;)

    Bis zum nächsten Mal und bleibt neugierig,

    der Julius von Solid Rotation

    Throwing Snow – Embers

    Label: Houndstooth – HTH074
    Format: various (vinyl, cd, download)
    Country: UK
    Release Date: 20.01.2017
    Genre: Electronic
    Style: Experimental, IDM

     

     


    Platte der Woche #351

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    10/09/2017 · Vivian Koch · Kategorie: Platte der Woche ·

     

    Gavin Russom

    Hallo an alle musikinteressierten Menschen!

    Wie ihr eventuell schon mitbekommen habt, versuche ich mich immer beim Auswählen der Sonntagsplatte auf meine derzeitig persönliche Situation zu beziehen und dabei sowohl zwischenmenschliche Begegnungen, als auch Orte nicht außer Acht zu lassen.

    Da ich diesen Monat am Ende meiner USA Reise einige Tage in New York verbringen werde, fiel meine Entscheidung sofort auf eine EP von Gavin Rayna Russom. Als EBM – und Acid Liebhaberin bin ich damals simpel durch L.I.E.S., dem Label Lux Records aus Zürich und wiederum durch Death From Above, kurz DFA – auf der Suche nach coolem, dreckigen House – gleich mehrmals auf Russom’s Produktionen gestoßen. Sie ist nicht nur ausschließlich für ihre eigenen musikalischen Werke oder Kollaborationen u.a. in Gruppen wie LCD Soundsystem, Black Leotard Front oder The Crystal Ark bekannt, sondern arbeitete auch an audiovisuellen Projekten, wie Musikvideos und diversen Installationen.

    Wie auch immer – die “Body Minimalism” EP erschien auf dem belgischen Label Curle Recordings und ist mir eigentlich erstmals nur durch EP /- Tracknamen ins Auge gestochen. Komischerweise hat die A Seite und der für mich wohl am düstersten konnotierte Track “Punisher” den weichsten Klangverlauf der gesamten EP. Erst mit der B Seite wird’s durch “All Souls” allmählich durchtrieben, gespenstisch, verspult und absolut treibend. Die B2 fordert dann richtig und saugt förmlich Energie.

    Man möge sich kaum die Faszination mit dem dazugehörigen Gesichtsausdruck zu dem Zeitpunkt vorstellen, als ich wieder einmal an einer langen Discogs Nacht auf dieses Genre traf, welches für mich zu Beginn fast wie ein Mix aus Electro und Rock klang!?!

    mit den besten Grüßen aus Amerika,

    Vivian

    Gavin Russom ‎– Body Minimalism
    Label: Curle Recordings
    Format: Vinyl, 12″
    Land: Belgium, Gent
    Veröffentlicht: Sep 2015
    Genre: Electronic
    Stil: Techno, Acid, EBM


    New Mix by Martin Anacker & fevela

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    04/09/2017 · Martin Anacker · Kategorie: Allgemein ·

     

    Eigentlich wollte ich neulich am Strand einfach mal mit meinem Kumpel zusammen auflegen, da wir uns aktuell in einem Sound wiederfinden, der leider in meinen sonstigen Gigs für gewöhnlich viel zu wenig Raum findet. Und wie das nun mal so ist wenn man das erste mal zusammen auflegt, weiß man nie so genau was einen erwartet. Teilweise passiert es, dass man sich einfach nicht aufeinander einstimmen kann und manchmal läuft es eben wie am Schnürchen. Was sich letztlich allerdings aus unserem kleinen Experiment am Strand22 entwickelte, das hatten weder mein Kumpel Felix aka fevela, noch ich auch nur ansatzweise erwartet. Nach einer relativ kurzen Zeit des gegenseitigen Einstimmens, passte es plötzlich einfach. Dazu kam, dass die Leute an diesem Abend offensichtlich Bock hatten. Und schließlich entwickelte sich da etwas ganz Besonderes, wie ich es als DJ wirklich schon sehr sehr lange nicht mehr erlebt hatte. Deshalb noch mal ein ganz dickes Dankeschön an den Strand22 für den Raum, an alle Gäste für die tolle Stimmung und natürlich an Felix für die Verstärkung am Pult!

     

     


    Platte der Woche #350

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    03/09/2017 · Marian · Kategorie: Allgemein ·

    sevensol

    Liebe Freunde des Kombinats,
    der Herbst beginnt die Blätter zu färben und die Musik darf wieder melancholisch werden. Aus diesem Grund habe ich ein Stück aus Leipzig vom Label Kann Records gewählt. Produziert wurde die EP, How Not To Loose Things, von Sevensol & Bender. Es ist die dritte Platte des Leipziger Duos auf dem Label. Das Stück “Captain Trollig” bedient sich einer klaren und fokussierten Linie mit einem sehr gut kombinierten Vocal. Die Platte begleitet mich schon seit fünf Jahren. Regelmäßig versteckt sie sich in meinem Plattenkoffer, wie auch letzte Woche bei einem B2B mit einem Freund in Berlin.

    viel Hörvergnügen!
    Marian

    Sevensol & Bender – How Not To Loose Things EP

    Label: Kann Records
    Format: 12inch
    Country: Germany
    Released: September 2012
    Genre: Electronic
    Style: Techno

     


    Platte der Woche # 349

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    27/08/2017 · Flo · Kategorie: Platte der Woche ·

    R&K

     

    Hallo zusammen,

    schon wieder lande ich bei einem Track der auf Kater Mukke erschienen ist. Was soll man machen, ist anscheinend irgendwie der Sound der Gegenwart – für meinen Geschmack jedenfalls.

    Ausserdem ist hier im Julie gerade das Debütalbum des Frankfurter Künstlers Rey & Kjavik erschienen, einigen eventuell bekannt durch seinen Hit “Baba City“. Auf dem Album klingt unter anderem der Track Vimalaa, den Ihr hier zu hören bekommt, eindrucksvoll nach.

    Was mich besonders fasziniert, ist der pumpende Beat und die elegant abgestimmte Instrumentalisierung. Dazu gesellt sich ein den Track prägendes, orientalisch anmutendes Frauen Vocal. Die Kombination dieser Elemente und der treibende Aufbau des Tracks nehmen einen mit auf die Reise…

    Viel Spaß beim Hören!

    Euer Florian Landers

    Rey & Kjavik ‎– Vimalaa
    Label: Kater Mukke
    Format: Vinyl, 12″
    Land: Germany
    Veröffentlicht: Jul 2017
    Genre: Electronic
    Stil: Downtempo, Tech House, Minimal


    Platte der Woche #348

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    20/08/2017 · honki · Kategorie: Platte der Woche ·

    Ich glaube, die wenigsten von uns haben schon einmal bewusst einen Berg erklommen. Ich meine damit nicht das gerade in Thüringen so beliebte Wandern, bei dem man irgendwann mal auf einem Hügel steht, der sich Berg nennt, sondern das mühseelige Erklimmen eines hochalpinen Riesen. Eine gewaltige Anstrengung für Körper und Geist, die Natur zu überwinden, der Kälte, dem Wind und dem Berg an sich zu trotzen und erst nach einigen Tagen auf dem Gipfel zu stehen mit dem alles belohnendem Blick über die zurückgelegten Pfade. Es muss ein wahrlich erhabener Moment sein, dieses Gefühl etwas aus eigener Leistung heraus erschaffen zu haben.

    Sehr ähnlich muss es da wohl auch dem noch recht jungen Weimarer Label MIND EVEREST gegangen sein, die Anfang letzten Jahres ihr Debut mit ZINE und seiner ›M – E‹ betitelten EP feiern durften, sozusagen die Erklimmung ihres ersten Riesen und sich so ganz selbstbewusst und mit Blick nach oben, neben die Weimarer Weltprominenz GIEGLING stellten. Und so wie es den meisten Bergsteigern geht, so suchten auch die Everest Jungs nach neuen Herausforderungen und präsentierten letzten Monat ihre zweite Auskopplung von LOWSHORE namens ›Steda‹.

    Fast schon exemplarisch für den Label-Namen stehend, erscheint diese Platte, wie der Aufstieg zu ungeahnten Höhen. Die vier Titel der EP arbeiten sich dabei langsam und stetig in feinster Deep-House bis Dubtechno Manier weiter nach oben, immer wieder aufgelockert durch Ruhephasen, die in lockeren Zwischenspielen auch eine Prise Jazz oder Funk einfließen lassen. Den jeweiligen Gipfel kann sich der Zuhörer dabei gerne selbst setzen, das Tempo und Intensität steigern und sich selbst dabei entdecken irgendwann auf dem geistigen Gipfel dieser Platten anzukommen — dem Mind Everest.

    In diesem Sinne, ich bereite mich schon mal für den nächsten Aufstieg vor und kann allen von euch diese Platte nur wärmstens ans Herz legen.

    Es grüßt,
    euer Honki.

    Lowshore ‎– Steda
    Facebook / Soundcloud
    Label: Mind Everest ‎– MIND2
    Format: Vinyl, 12″
    Land: Germany
    Veröffentlicht: Jul 2017
    Genre: Electronic
    Stil: House


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